Samstag, 10. Dezember 2016

[Rezension] Wie das Licht von einem erloschenen Stern - Nicole Boyle Rodtnes

 

Klappentext


Seit Vega bei einer Party gestürzt ist, kann sie weder sprechen, lesen noch schreiben. Diagnose: Aphasie. Doch war es wirklich ihr eigenes Verschulden? Oder wurde sie absichtlich geschubst?

Als Vega diesen Verdacht gegenüber ihrer besten Freundin Ida und ihrer Schwester Alma andeutet, wenden sich beide vor den Kopf gestoßen von ihr ab. Vega ist frustriert und fühlt sich völlig unverstanden und entsetzlich einsam. Bis sie Theo trifft und sie gemeinsam die fehlenden Puzzlestücke in Vegas Erinnerung zusammensetzen ...



Woran ich mich am besten erinnere, ist das Gefühl, zu ertrinken. Zuerst kam der scharfe Schmerz, als ich mit dem Hinterkopf auf den Boden des Schwimmbeckens knallte. Der Schmerz pulsierte vom Nacken ins Rückgrat und dann weiter in jede Zelle.





Ein Traumcover, ich muss es mal laut sagen! Ich wurde im Laden magisch angezogen und musste wissen was sich im Inneren verbirgt. Zum Thema war mir bisher nichts bekannt. Es geht um das Schicksal eines jungen Mädchens namens Vega, die durch einen Unfall die Fähigkeit zu sprechen verliert.

Der Klappentext verspricht ein emotionalen Roman mit dem komplexen Thema Aphasie. Wenn man selbst redet und täglich kommuniziert fällt es sehr schwer sich vorzustellen wie eine solche Sprachstörung oder besser gesagt der Verlust sich mitteilen zu können ist. Vega stellt sich in rund 250 Seiten diesem Problem Tag für Tag. Ich war sehr gespannt, ob dieses überaus schwierige Thema nicht zu wenig Platz findet auf diesen wenigen Seiten. Als Leser wird man vom ersten Satz an ins Geschehen geworfen und Vega's Gefühle sind für uns von Beginn an greifbar. Sie lassen den Leser spüren wie es sein muss mit Aphasie seinen Alltag zu leben. Die einfachen Dinge sind fast unmöglich zu bewältigen, egal ob es einen Anruf annehmen, Einkaufen gehen oder der einfache soziale Kontakt mit Freunden und Familie ist. Sie muss das sprechen ganz neu lernen und das fällt weisgott nicht leicht. Dazu kommt auch noch ihr Blackout. Sie fragt sich, ob hinter dem Sturz mehr steckte als ein Unfall, zumindest lässt sie dieses Gefühl nicht los. Vega steht ein sehr langer Weg bevor. Sprachtherapien, Sprachkurse, Übungen zuhause und Selbsthilfegruppen sind ihr täglich Brot. Ihre Mutter und Schwester begleiten Vega und stoßen auch immer mehr an ihre Grenzen. Sie sind enttäuscht über den langsamen Fortschritt und genau wie Vega selbst frustriert über die ganze Situation. In einer Selbsthilfegruppe lernt sie Theo kennen. Er selbst lernt auch das Sprechen neu. Seit seinem Tauchunfall muss auch er sich in die Normalität zurückkämpfen. Die beiden werden Freunde und Vega fühlt sich zum ersten Mal nicht als Außenseiter oder Versager, die im Wörterschlamm erstickt.

Nicole Boyle Rotdnes schafft es mit ihren einfühlsamen und prägnanten Sätzen den Leser zu berühren. Mir ging es beim Lesen oft so. Wenn ich an einer Stelle ankam an der Vega versuchte Worte zu formen, hab ich mich manchmal selbst erwischt, wie ich beim Lesen die Lippen mit bewegt habe. Ich konnte mir vorher kaum vorstellen, wie es wohl ist wenn man die Fähigkeit durch Worte zu kommunizieren verliert. Für mich hat die Autorin es geschafft auf sehr einfache aber starke Weise uns genau dies vor Augen zu führen. Die Hilflosigkeit, der die betroffenen Personen ausgesetzt sind, muss unglaublich verzweifeln lassen. Vieles regt in ihren Zeilen zum Nachdenken an.

Diese Buch ist nicht nur ein Buch über eine Krankheit die vielen kaum bekannt ist, sondern auch eine Liebesgeschichte die durch Vegas Suche nach der Wahrheit Spannung mit sich bringt. Frau Rotdnes schenkt uns die Chance den direkten Umgang mit Menschen mit einer solchen Krankheit zubegleiten. Man spürt das sie selbst eine solche Erfahrung in irgendeiner Form bereits erlebt hat. Sie hat aus meiner Sicht ein tolles Werk geschaffen, dass uns mitfühlen lässt.



Ich war begeistert und gefesselt beim Lesen dieses Buches. Solche Bücher sollte es viel öfters geben. Bücher die uns Leser dazu bewegen selbstverständliche und alltägliche Dinge zu hinterfragen. Vega ist ein so liebeswerter Charakter und ich kann nur empfehlen: lest selbst und lasst diese tolle Geschichte in euer Herz.





Allgemeine Daten


Wie das Licht von einem erloschenen Stern
von Nicole Boyle Rotdnes

Genre: Jugendbuch/ Roman
Verlag: Beltz&Gelberg
Seitenanzahl: 243
1. Auflage: 2016
Gebundene Ausgabe: 14,95 €
ISBN: 978-3407821041

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Kommentare:

  1. Aphasie sagte mir selbst gar nichts, daher macht mich dieses Buch umso neugieriger. Ich finde es super, dass aktuell immer mehr Bücher veröffentlicht werden, die solche ungewöhnlichen und wichtigen Themen behandeln :)
    Dafür muss man aber wohl in der richtigen Stimmung sein, wenn es wirklich so emotional ist.

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    1. Ich sehe das genauso. Ich merke gerade sehr stark, wie Bücher mit solchen Themen mich magisch anziehen. Eine gesunde Neugier und das Verstehen wollen, wie es mit den Menschen dahinter ausschaut.
      Ich war von dem Buch begeistert, es hat mich, auch wenn es so einfach geschrieben ist, ganz in seinen Bann gezogen.

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